Montag, 26. November 2012

Die drei ??? und die Pokerhölle (Hsp. 143)



Klappentext: 
"Als Justus, Peter und Bob einem jungen Mann helfen wollen, dem in einer Postfiliale Geld gestohlen wurde, geraten sie in die gefährliche Unterwelt von China Town. Zufällig kommen sie einer illegalen Pokerspielhölle auf die Spur. Dabei müssen die drei erfolgreichen Detektive aus Rocky Beach die Erfahrung machen, dass die Beteiligten sehr unangenehm werden, wenn man ihnen in die Karten sieht! Und dann geschieht, was nie hätte geschehen dürfen..."
Mein Kommentar:
Die Vorlage ist ein echter Sonnleitner. Routiniert spult der Autor seine Geschichte ab und setzt dabei wie immer auf ein gehöriges Stück Gutgläubigkeit der jugendlichen Zielgruppe. Der junge Richie Hanson soll das Vermächtnis seines Onkels erhalten. Der bereits verblichene Oheim schickt Richie -und mit ihm die drei ???, die nach einer zufälligen Begegnung in den Fall hineingeraten- auf eine Schnitzeljagd. Der wahre Sinn dieser Aktion bleibt erfreulicherweise lange Zeit im Dunkeln, die Rätsel sind etwas dürftig konstruiert, der Schlußgag ist allerdings sehr gelungen. Dass es die drei diesmal gleich mit dem Betreiber einer illegalen Spielhölle zu tun bekommen, ist etwas dick aufgetragen. Solche Leute sind gewöhnlich extrem gefährlich, und der gute Jacki Jin wirkt einfach -der Kindergeschichtendramaturgie geschuldet- nicht bedrohlich genug. Hervorragend ist Justus' rotzfrecher Auftritt als versierter Pokerspieler. Oliver Rohrbeck zeigt hier wieder all sein Können: immerhin gibt er als Erwachsener einen Halbwüchsigen, der sich betont erwachsen zu benehmen versucht. Das "ferngelenkte" Pokerspiel strapaziert die Glaubwürdigkeit. Vielleicht wäre es besser gewesen, dem Alleskönner Justus diesbezüglich eigene Fähigkeiten anzudichten.
Fazit: Trotz kleiner Unlogeleien sehr unterhaltsam.

*sing* Goodbye, Ruby Tuesday...


Montag, 23. Juli 2012

The Amazing Spider-Man (2012)

Zunächst einmal: Ich mag Sam Raimis Spider-Man Filme aus den 2000er Jahren. Alle drei wurden zeitnah im Kino genossen (Nummer eins damals gleich abermals im O-Ton), haben einen Ehrenplatz im DVD-Regal und werden gelegentlich angesehen (natürlich im O-Ton). Der neue Film ist anders. Aber auch sehr gut.

Bei Spider-Man Comics (ich las einige gegen Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger) fallen mir zuerst zwei Details ein: zunächst die ewige neurotische Schuldgefühl-Weinerlichkeit und dann die frechen coolen Sprüche. Weinerlichkeit und Schuldgefühle werden in der Trilogie einigermaßen hochgespielt, der Protagonist darf davon sogar als Ich-Erzähler aus dem Off erzählen.

Man kann sagen, dass diesmal mehr das Element der frechen coolen Sprüche zu seinem Recht kommt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass das High School Dasein des Protagonisten mehr betont wird.Der Held hat mehr jugendliche Leichtigkeit.

Diesmal gibt es keinen Erzähler. Gefühlsdinge müssen aus der Handlung geschlossen werden. Und es gibt einen anderen Darsteller. War Tobey McGuire sehr emotional und in dieser Rolle irgendwie ein Weichei, kommt Andrew Garfield einfach cool daher. Sein Peter Parker ist ein Nerd, weil das so sein muss, aber dieser Nerd ist selbst dann noch cool, wenn er gerade von Flash Thompson verdroschen wird. Die Revanche in der Basketball-Szene ist vielleicht etwas dick aufgetragen, aber wirkungsvoll.

An der Origin-Story hat man ein wenig gewerkelt, so ist Peters (mutmaßlich!) verstorbener Vater mit seinen Forschungen darin verwickelt. Aus dem reichen Inventar an Superschurken kommt diesmal Dr Curt Connors alias Die Echse zum Zuge. Den Uncle Ben (welchen sein unvermeidliches Schicksal ereilt) gibt Martin Sheen (der Vater von Charlie) als eher lustigen Gesellen, die Tante May wird von Sally Field gespielt. Emma Stone, noch gut in Erinnerung aus "Einfach zu hAben" ("Easy A"), gibt die Gwen Stacy. Kein schreiendes "Rette mich"-Girl im Stil alter Bond-Filme, sondern eine sehr starke und eigenständige Figur.

Hinsichtlich eines höheren Realismus, soweit die Superhelden-Sache einen solchen zulässt, hat man sich offenbar ein wenig an den neuen Batman Filmen orientiert. So sind die Spinnenfäden diesmal Hightech (wie schon in den Comics). Auch die vielen Kräne, beim Showdown von solidarischen New Yorker Kranführern aufgeboten, stellen ein realistisches Element dar.

Die Drei-D Technik wird effektiv, aber nicht aufdringlich eingesetzt. Der Sounndtrack ist großartig, ich habe ihn gleich auf CD erworben.

Läuft der Film quasi wie ein Teenie-Film über einen Superhelden ab, wartet er im Showdown und im Epilog mit der üblichen Schwere auf: Verantwortung und große Aufgaben warten. Fortsetzung folgt. Hofffentlich bald!

Donnerstag, 19. Juli 2012

Fünfundzwanzig

Wie ich feststelle, hat dieses Projekt ein doppeltes Jubiläum: Es besteht seit einem Jahr und dies ist das fünfundzwanzigste Posting. Ursprünglich wurde es mal inszeniert, weil Dr. L. die ACD-Seite nicht mehr besuchen wollte. (Insider werden verstehen.)

Neue Filme, alte Filme, alte Schulbücher, Schule, neue Themen. Interessiert das alles eigentlich jemanden? Den Zugriffszahlen nach schon.

Und es geht weiter. Beizeiten wird auf jeden Fall etwas zu Crossover-Einheiten zwischen verschiedenen Fremdsprachen gesagt werden. Im Unterricht fallen mir immer diverse Möglichkeiten ein, aber wenn ich darüber schreiben will: Alles weg. Aber ich werde eine Möglichkeit finden.

Ferner will ich mich ausführlich zu "Der Vorleser" äußern.

Vielen Dank für das Interesse und weiterhin viel Spaß.

Dienstag, 10. Juli 2012

Die Drei ??? und die Mittelstufe

 Hier geht es nicht um eine Unterrichtseinheit zur Jugendbuchreihe "Die drei ???" im Deutschunterricht, wenngleich so etwas für die siebte  Klasse denkbar wäre.

Seit einiger Zeit setze ich im Nachhilfeunterricht die englischsprachigen DDF-Bücher von PONS ein. Für erwachsene DDF-Fans sind diese nicht unbedingt von Interesse, außer für Komplettsammler natürlich. 

Die Zielgruppe dieser Bücher sind auch nicht die erwachsenen Fans, sondern die Schüler. Die Bücher sollen eigentlich dem Selbststudium der Schüler im Fach Englisch dienen und dabei auch Spaß machen. Das macht sie natürlich auch als Unterrichtsmaterial tauglich. Für gewöhnlich verleihe ich den einen oder anderen Band, um das Interesse am selbstständigen Lesen zu wecken. Gelegentlich werden auch Kapitel gelesen und Fragen beantwortet. Die Fragen im Buch selbst sind nicht allzu umfangreich, so dass es sich empfiehlt, in dieser Hinsicht selber kreativ zu werden.

Die Fünftklässler würden noch nicht alles verstehen (wir sind hier beim Fach Englisch). Den Achtklässlern wäre der Stoff meist zu "kindisch", es sei denn, sie sind Fans. Das ist klar, es handelt sich um Jugend- (oder Kinder-) Bücher, die durch die vereinfachende Übersetzung inhaltlich auf das Niveau der "Drei ???"-Kids herabgeschraubt wurden. Somit sind sie nicht unbedingt etwas für die Achtklässler, den Kern der BRAVO-Zielgruppe, die schon ganz andere Interessen hat.

Die ideale Anwendergruppe sind die Schüler der Sechsten und Siebten Klasse. Sie sind meistens mit der DDF-Serie und dem Figureninventar der Reihe vertraut (bei fast jedem steht mindestens ein DDF-Band im Regal) und begrüßen diese Abwechslung vom pädagogisch wertvollen Schulbuch-Einerlei daher mit Interesse. Bei Schülerinnen sollte ein spezielles Interesse an DDF bestehen, sonst hat der Einsatz der Bücher keinen Zweck, sie werden von Mädchen dann genauso lustlos und desinteressiert zur Kenntnis genommen wie x-beliebige Schulbücher.

Die Aufgaben im Buch sind nicht auf das Pauken spezieller Grammatikthemen angelegt (das muss man anderweitig bewerkstelligen), wohl aber auf die Verbesserung der allgemeinen Sprachfähigkeiten und des Wortschatzes.

Den Anfang machte "Arctic Adventure", das Erstlingswerk von Kari Erlhoff, mit der ich das eine oder andere Mal über Jugendbücher diskutierte, als sie noch "Nur-Fan" war. Der Originaltitel lautet "Tödliches Eis", wenngleich er im Impressum der PONS-Ausgabe als "Tödlicher Schnee" erscheint. Die Thematik der Geschichte zeugt vom intensiven Bedürfnis der damaligen Neu-Autorin, die Drei ??? auf neues Terrain zu bringen.

Geografisch gesehen ist dieses neue Terrain Alaska, thematisch gesehen ist es ein Schlittenhundrennen. Die Drei ??? folgen auf Ski-doos den Teilnehmern des Rennens. (Engl.: mushers) Ich habe bis heute noch nie die deutsche Ausgabe in Händen gehabt und weiß nicht, welchen Begriff diese verwendet, vielleicht Hundeschlittenführer. Anmerkung am Rande: In der hiesigen Lokalzeitung, einem Ableger der HAZ, fand ich in einem Artikel einmal tatsächlich den Begriff "Musher" im Text. Er wird also offenbar auch im Deutschen verwendet.

Die drei Spürnasen handeln auf Einladung der Reporterin Carol. Schon früh kristallisiert sich heraus, dass auch wieder ein Kriminalfall vorliegt, es dreht sich einerseits um Sabotage, andererseits um einen Eimer Goldnuggets und eine Tasche, die einmal Jack London gehörte. Eine Referenz an den Autor von "Der Seewolf" und vor allem "Lockruf des Goldes" passt gut zur Geschichte, die durchaus ein wenig Jack-London-Stimmung schafft.

Das dazugehörige Hörbuch liefert die bemüht korrekte und deutliche Aussprache einer Lehrbuch-CD, was nicht verkehrt ist, denn gewissermaßen handelt es sich ja um eine solche. Die korrekte Aussprache des Begriffes "wilderness" bleibt im Gedächtnis : . Im deutschsprachigen Hörspiel, in dem das "Nordic Wilderness Race" auch unter diesem Namen vorkommt, wird das leider wieder zunichte gemacht.

Freitag, 22. Juni 2012

Die drei ??? und die Alma Mater

Hier nun also der Plan eines Literaturseminars zur Jugendbuchreihe "Die Drei ???", wie es heute laufen müsste:

Erste Sitzung:

Einführung in das Thema und Referatvergabe



Zweite Sitzung:

Zur Geschichte der Jugendbuchliteratur



Dritte Sitzung:

Die Geschichte der Jugendbuchreihe "Die drei ???" (Referat 1)
Das Referat für den Scheinjäger aus der ersten Reihe. Es muss innerhalb von zwei Wochen erledigt werden. Der Referent liefert eine Biographie Robert Arthurs und teilt dann die Buchserie in einzelne Phasen ein. Informationen über andere Autoren werden soweit vorhanden eingestreut. Einzelne Arten von Fällen (Haunted House, Krimi im engeren Sinne, Sportfälle usw.) werden kategorisiert.



Vierte Sitzung

Die Rezipienten der Jugendbuchreihe „Die drei ???“ (Referat 2)
Vom Referenten wird erwartet, auf einschlägigen Internetseiten wie 3fragezeichen.net O-Töne von Fans zu sammeln und Daten über Alter, Beruf usw. der Fans zusammenzustellen. Durch Sammeln möglichst vieler Daten erhält er ein „Gesamtbild“, das aber dadurch relativiert wird, dass sich bei weitem nicht alle Fans/Konsumenten öffentlich äußern.

 

Fünfte Sitzung

Inhaltliche Entwicklung, wiederkehrendes Figureninventar und Serienelemente (Referat 3)

Es wird oft verkannt, dass "Die drei ???" eine Reihe ist und keine Serie. Das liegt an der langen Laufzeit der Reihe, während der die Protagonisten nicht oder nur unwesentlich altern. Natürlich könnte man behaupten, die Fälle würden sich innerhalb einiger Monate ereignen (was angesichts der Anzahl der Fälle bereits unglaubwürdig wäre), das stünde aber im Konflikt mit diversen gesellschaftlichen, historischen und speziell technologischen Entwicklungen, die in den Büchern vorkommen.
Somit ist letztlich ein Reihencharakter gegeben. Jedes Buch steht für sich. Es gibt jedoch durch wiederkehrende Figuren und einzelne Querverweise auch Serienelemente.

 

Sechste Sitzung

Erstellung eines Rasters zur Untersuchung einzelner Drei ??? Bücher
Zunächst wird das Jugendkrimi-Genre definiert und dann bestimmt, welche Elemente einen guten Jugendkrimi ausmachen, z.B.
Anlage eines sinnvollen Plots
Art und Weise der Detektion
Beteiligung der Hauptfiguren an den Ermittlungen
Originalität der Dialoge
Plausibilität der Verhaltensweisen der Verbrecherfiguren
usw.

 

Siebte bis zwölfte Sitzung 

(Referate 4-9)


Referate zu jeweils 2 Büchern, die nach dem Raste aus Sitzung 6 untersucht werden. Die Buchauswahl bezieht die einzelnen Phasen der Serienentwicklung und die o.g. Arten von Folgen so gut es geht ein.

 

Dreizehnte Sitzung

Das Medium Hörspiel

 

Vierzehnte Sitzung

Hörspielbesprechung I

 

Fünfzehnte Sitzung 

Hörspielbesprechung II

 

Sechzehnte Sitzung

Unterschiede zwischen Buchvorlage und Hörspielbearbeitung anhand der Beispiele aus den Sitzungen 14 und 15

Siebzehnte Sitzung

Fazit

Mittwoch, 20. Juni 2012

Die drei ??? gehen zur Uni

Im Wintersemster 1997/98 nahm ich an einem Seminar „Ideologievermittlung in Kinderbuch und Hörspiel“ teil. Der Grundgedanke war gut gewählt. Natürlich ist es so, dass Kinderbücher nun einmal von Erwachsenen für Kinder verfasst werden. Der erwachsene Autor ist erheblich reicher an Bildung und Lebenserfahrung und wird daher naturgemäß einen gewissen pädagogischen Impetus haben. Unbewusst -oder vielleicht sogar bewusst- vermittelt er dem Leser auch sein, des Autors eigenes Weltbild. Fasst man diesen Aspekt politisch auf, kommt es zur erwähnten „Ideologievermittlung“.

Da passt nun manches hinein, und es ist sicher im Laufe der Zeit immer mal untersucht worden: Ist Pippi Langstrumpf, die sich allen gesellschaftlichen Regeln erfolgreich entziehen kann und zudem über gewaltige physische Kräfte verfügt, nicht eine zutiefst anarchistische Figur? Wie steht es mit Stefan Wolfs TKKG? Wohlgeratene, zutiefst obrigkeitsgläubige Bürgerkinder. Andererseits: Ist da nicht auch irgendwo das anarchistische Element, wenn das Internat und die behüteten Elternhäuser nächtlich heimlich verlassen werden, um Verdächtige zu observieren und Verbrechen zu verhindern? Ja, was denn nun? Obrigkeitsgläubigkeit oder Anarchie? Man sieht, der Ideologieansatz hat seine Grenzen.

Nun kommt langsam aber sicher der Bogen zu den „Drei ???“. Der Ideologie-Ansatz war brauchbar, aber heute trägt er meines Erachtens nicht mehr. Um den Begriff Ideologie macht die Literaturwissenschaft heute einen großen Bogen, weil er einfach zu schwammig ist, ja, er ist selber schon „ideologisch“. Er geht einfach davon aus, dass ein Autor ein bestimmtes Weltbild vermitteln will -bewusst oder unbewusst- und dass diese Tatsache bedeutsam ist. Ist sie aber nicht! Selbstverständlich bringt ein Autor sein Weltbild in seine Geschichten ein. Völlig klar. Na und? (Dass keine Radikalen zum Zuge kommen, dürfte klar sein.)

Heute ist zudem zumindest in der Unterhaltungsliteratur eine andere Art von Autor am Werk. Diese Autoren sind mitunter langjährige Fans ihrer Serien, der pädagogische Impetus gerät in den Hintergrund und wird durch den Spaßfaktor ersetzt. Ihre Leser behandeln diese Autoren weniger als "Schüler" denn als Gleichgesinnte. Letztlich schreiben die Autoren die Bücher, die sie selber gerne lesen möchten. (Zumal die Jugendbuchreihe „Die drei ???“ auch diverse erwachsene Fans hat. ) Ideologieüberlegungen haben in der Welt der drei archetypischen Teenager kaum Platz. Welche Ideologie wird denn vermittelt? Dass man durch ausgiebiges Lesen genug Bildung anhäuft, um schon in jungen Jahren immer eine sinnvolle Antwort zu finden? Dass hartes sportliches Training viele Vorteile bietet? Oder dass Ordnung und sorgfältiges Nachforschen zu Erfolgen führt? Nur her damit!

Interessanter für die heutige Zeit ist da schon ein anderer Aspekt des damaligen Seminars: Bei den Detektivgeschichten, namentlich den Drei ???, wurde nämlich immer der Ablauf der Detektion abgeklopft: Wer findet wie die Lösung, ist das plausibel, kommen alle beteiligten Hauptfiguren zum Zug und leisten ihren Beitrag? Solche handwerklichen Fragen, Fragen der Plotkonstruktion, Stil und sprachliche Mittel, das sind die Dinge, um die es heute gehen würde. Letztlich auch um eine Art Qualitätsraster für „???“ Jugendbücher, nach dem die Fans immer vergeblich suchen.

Wird fortgesetzt (mit einem Programm für ein fiktives „???“ Uni-Seminar)

Sonntag, 10. Juni 2012

Jetzt sind es 26 Jahre

 Vor einem Jahr ergab sich für mich das 25jährige Abiturjubiläum. Ich reagierte auf eine Einladung:


An
Herrn Oberstudiendirektor
xxxxxxxxxxxxx
Gymnasium xxxxxxxxxxx
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx


hier, den 16.6.2011



Sehr geehrter Herr xxxxxxx,
vielen Dank für ihre Einladung. Es freut mich, dass an das fünfundzwanzigjährige Abiturjubiläum unseres Schuljahrgangs gedacht wurde.
Ein Jahrgangstreffen in dieser Form ist jedoch nichts für mich, ich werde daher nicht teilnehmen. Jener Tag gehört den Abiturienten der beiden aktuellen Jahrgänge und ihren Angehörigen, ich käme mir bei diesem Anlass wie ein Zaungast vor.
Ich hätte es begrüßt, wenn ein Treffen unseres Jahrgangs separat stattgefunden hätte, unter Einladung für unseren Jahrgang wichtiger Personen, etwa der Herren xxxxx und xxxxxxx. Eine solche Praxis ist an anderen, traditionsreicheren Schulen durchaus üblich, namentlich am xxxxxxxxx xxxxxxxxx, selbstverständlich mit Entrichtung eines Unkostenbeitrages durch die „Ehemaligen“.
Hinzu kommt, dass unser Jahrgang nicht irgendein Jahrgang ist, sondern der erste Jahrgang, der für die Geschichte der Schule eine wesentliche Rolle gespielt hat. Ihr Kollege xxxxxxx hat die Situation der ersten Lehrer der Schule einmal in Worte gefasst: „Wir fanden einen Schulleiter vor – in einem Abstellraum für Getränke.“ (Erst später wurde aus dem besagten Abstellraum ein Lehrerzimmer.) Für die Schüler des ersten Jahrgangs gilt vor allem eines: wir waren Pioniere in einer Schule ohne jegliche Tradition, die erst allmählich um uns herum aufgebaut wurde. (Im Fall des früher vorwiegend als OS genutzten Teils sogar buchstäblich; die Bauarbeiten fanden 1979/80 statt.) Unsere Eltern und ganz besonders wir waren diejenigen, die damals das Vertrauen in das neue Projekt hatten. Daher sollten gerade wir mehr sein als nur Zaungäste, wenn es ernsthaft um unser Jubiläum gehen soll.


Mit freundlichen Grüßen

 
P.S.: Viele Grüße an die Herren xxxxx und xxxxxxxxx.

Nachtrag Juli 2013 (Jetzt sind es 27 Jahre)
Im Jahre 2012 gründeten ein paar jüngere Ehemalige den der Schule zugeördneten Alumni-Verein. Beim ersten Alumni-Treffen, welches sehr gut besucht war, kam auch ich im Advent 2013 auf meine Kosten - als einziger Vertreter des ersten Jahrgangs. :-)