Sonntag, 10. Juni 2012

Jetzt sind es 26 Jahre

 Vor einem Jahr ergab sich für mich das 25jährige Abiturjubiläum. Ich reagierte auf eine Einladung:


An
Herrn Oberstudiendirektor
xxxxxxxxxxxxx
Gymnasium xxxxxxxxxxx
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx


hier, den 16.6.2011



Sehr geehrter Herr xxxxxxx,
vielen Dank für ihre Einladung. Es freut mich, dass an das fünfundzwanzigjährige Abiturjubiläum unseres Schuljahrgangs gedacht wurde.
Ein Jahrgangstreffen in dieser Form ist jedoch nichts für mich, ich werde daher nicht teilnehmen. Jener Tag gehört den Abiturienten der beiden aktuellen Jahrgänge und ihren Angehörigen, ich käme mir bei diesem Anlass wie ein Zaungast vor.
Ich hätte es begrüßt, wenn ein Treffen unseres Jahrgangs separat stattgefunden hätte, unter Einladung für unseren Jahrgang wichtiger Personen, etwa der Herren xxxxx und xxxxxxx. Eine solche Praxis ist an anderen, traditionsreicheren Schulen durchaus üblich, namentlich am xxxxxxxxx xxxxxxxxx, selbstverständlich mit Entrichtung eines Unkostenbeitrages durch die „Ehemaligen“.
Hinzu kommt, dass unser Jahrgang nicht irgendein Jahrgang ist, sondern der erste Jahrgang, der für die Geschichte der Schule eine wesentliche Rolle gespielt hat. Ihr Kollege xxxxxxx hat die Situation der ersten Lehrer der Schule einmal in Worte gefasst: „Wir fanden einen Schulleiter vor – in einem Abstellraum für Getränke.“ (Erst später wurde aus dem besagten Abstellraum ein Lehrerzimmer.) Für die Schüler des ersten Jahrgangs gilt vor allem eines: wir waren Pioniere in einer Schule ohne jegliche Tradition, die erst allmählich um uns herum aufgebaut wurde. (Im Fall des früher vorwiegend als OS genutzten Teils sogar buchstäblich; die Bauarbeiten fanden 1979/80 statt.) Unsere Eltern und ganz besonders wir waren diejenigen, die damals das Vertrauen in das neue Projekt hatten. Daher sollten gerade wir mehr sein als nur Zaungäste, wenn es ernsthaft um unser Jubiläum gehen soll.


Mit freundlichen Grüßen

 
P.S.: Viele Grüße an die Herren xxxxx und xxxxxxxxx.

Nachtrag Juli 2013 (Jetzt sind es 27 Jahre)
Im Jahre 2012 gründeten ein paar jüngere Ehemalige den der Schule zugeördneten Alumni-Verein. Beim ersten Alumni-Treffen, welches sehr gut besucht war, kam auch ich im Advent 2013 auf meine Kosten - als einziger Vertreter des ersten Jahrgangs. :-)

Montag, 30. April 2012

Der Triple-Burger schmeckt

Aus dem Jahr 2010: Mein Kommentar zu "Die drei ??? und der DreiTag"
Im Stil des Films "Lola rennt" schildert DreiTag drei unterschiedliche Verläufe ein und desselben Tages (bezeichnenderweise ein Freitag, der 13.), wobei sich überraschende Wendungen ergeben. 
Es begab sich zu der Zeit, da Thomas Gottschalk Werbung für Mc Donald's machte. In einem der Spots stieg der Entertainer in ein Berliner Taxi und gab Anweisung: "Zum nächsten McDonald's, bitte!". Der Fahrer drehte sich zu ihm um und fragte: "Wieso? Jipt et da wieder wat Neues?" Gottschalk erwiderte verschmitzt: "Nö. Wieso?"
Nun, es ist offensichtlich, dass vielen Kunden das normale Standardangebot der Fast-Food-Kette ausreicht, sehr viele werden aber auch immer wieder durch ständige Sonderaktionen wie Spezial-Burger außerhalb des normalen Angebots, Spielzeug, zeitweise sogar CDs, Gutscheine etc. angelockt.
Auch die drei Fragezeichen haben jetzt auch wieder mal eine Sonderaktion. Etwas, das aus der normalen Routine der regelmäßig den Fans zu verabreichenden Fälle ausbricht, das Besondere verspricht, das Experimentelle. Es macht neugierig.
Das Colaglas, das mal umkippt und mal nicht und unterschiedlich großen Schaden verursacht, bestimmt den Ablauf des DreiTages, jenes Freitag des 13., der für die drei Detektive in jedem Fall ereignisreich ausfällt. "In jedem Fall" ist hier doppeldeutig zu interpretieren, denn in der Tat wird die Aufmerksamkeit der drei Detektive auf drei völlig unterschiedliche Fälle gelenkt.
Konventionell kommt "Der Fluch der Sheldon Street" daher, kein Wunder, handelt es sich doch um die Justus-Folge. Da der Erste Detektiv traditionell in den meisten Folgen tonangebend ist, besteht in dieser Hinsicht kaum ein Unterschied zu Standard-Folgen.
Gut gelungen ist die Herausstellung Bobs in "Im Zeichen der Ritter". Hier darf der Rechercheur auch einmal etwas besser wissen als Justus und auch das Gespräch mit Miss Bennett komm ihm sehr zugute. Vom Plot her ist eine Nähe zu "Das versunkene Dorf" auszumachen.
Ein echter Hammer ist zweifellos die Peter-Folge. Behandeln wir den Minuspunkt zuerst: Peter wird in dieser Folge nicht von seinen Fähigkeiten her herausgestellt, er dient vielmehr stärker denn je zuvor als Dummkopf vom Dienst und hat selbst bei den einfachsten Schlüssen Schwierigkeiten. ABER: Die Folge behandelt ein ernstes Thema, das für die drei ??? in dieser Form neu ist, es wird eine zeitweise beklemmende Atmospäre geschaffen. Am Ende der Folge gelingt das Kunststück, die Auflösung in ausgesprochen komischer Form zu präsentieren. Das Casting gehört mit seinen Anspielungen auf andere Hörspielserien und mit Quasi-Cameos zu den gelungensten Drei ???-Szenen der letzten Zeit. Überhaupt sind alle drei Folgen mit Anspielungen auf andere Serien gespickt, funktionieren aber auch für nicht-Kenner dieser Serien problemlos.
Fazit: Der Triple-Burger schmeckt.

Sonntag, 29. April 2012

Nachhilfestatistik

Im Mai 2012 betreue ich insgesamt 20 Schüler in der Nachhilfe. (Ein Fachberufsschulkurs in Englisch kommt noch hinzu.) Den Schwerpunkt an Klassenstufen bilden die Klasse 7 (4 Schüler), Klasse 8 (6 Schüler) und Klasse 9 (5 Schüler). Hinzu kommt ein Grundschüler aus der Dritten Klasse, ein Schüler der Fünften Klasse, zwei Zehntklässler sowie eine Abiturientin.
Die Verteilung nach Schülerinnen und Schülern beträgt 7:13.
Bei lediglich zwei Schülern steht nur ein Fach (einmal Englisch, einmal Französisch) zur Nachhilfe an, alle anderen werden in zwei, drei oder gar vier Fächern beraten.
Die Verteilung der Schülerwohnorte:
Heimatgemeinde: 13 zu Auswärtig: 7
Eine Statistik ohne Aussagekraft, da die Auswahl meiner Schüler aufgrund extremer Nachfrage willkürlich erfolgt. Immerhin aber werde ich mich hier demnächst über fachübergreifende Unterrichtseinheiten (ich nenne diese "Crossover") auslassen, und hier erklärt sich, wie ich dazu komme.

Freitag, 30. März 2012

Türkisch für Anfänger (Kino, 2012)

In den 2000er Jahren war es im "Ersten" üblich, neben den damals gängigen Soap Formaten Verbotene Liebe und Marienhof jeweils noch eine dritte Vorabendserie im Programm zu haben. Es handelte sich um Unterhaltungsserien, die aber durch politische Unkorrektheit und experimentelle Plots das Niveau der handelsüblichen Soaps locker überbieten konnten. 
Unter diesen Serien waren echte Perlen, die bedeutendsten unter ihnen sind zweifellos Berlin, Berlin mit Felicitas Woll als Lolle und eben Türkisch für Anfänger.
Die Geschichte der promovierten Psychotherapeutin, die eine Beziehung mit einem türkischen Kriminalkommissar eingeht, was zur Bildung einer ungewöhnlichen Patchworkfamilie führt, lief von 2006 bis 2008. Zentralfiguren waren aber nicht die "Erwachsenen" sondern die nächste Generation, namentlich die ob einer betont linken Erziehung stets etwas orientierungslos wirkende Lena und der Vorzeige-Macho Cem.

Eine Neubearbeitung des gehaltvollen Stoffes für das Kino erscheint sinnvoll, ebenso sinnvoll war es, diese nicht im Wege einer Fortsetzung anzugehen. Wer unter den Zuschauern könnte sich in der heutigen schnellebigen Zeit noch an die diversen Plots um Lena und Co. erinnern? Somit wurde das einzig Richtige getan, nämlich die Geschichte von Anfang an neu erzählt, was man neudeutsch einen Reboot nennt. :-) Als exotischer Schauplatz wurde Thailand gewählt, wo sich Lena, Cem, Yagmur und Costa -auf eine Insel verschlagen- zusammenraufen müssen. Parallel wird die Geschichte der Annäherung von Doris und Methin erzählt. Die Klischees werden eifrig bedient, aber eben auch hinterfragt. Und -was bei einer Komödie sehr wichtig ist- die Grenze zur Albernheit wird selten überschritten. Selbst der Muschel-Gag geht -mit Seitenblick auf American Pie- in Ordnung. Einzig der Schluss zeigt eine vielleicht etwas zu pubertär handelnde Lena. Nervige Nebenfiguren wie Lenas Bruder oder Doris' liebestolle Lehrerinnen-Schwester wurden auf ein verträgliches Maß reduziert. Fazit: Vergnüglicher Filmabend.

Samstag, 24. März 2012

Superman returns (2006)

Noch ein alter Kommentar. Ich schrien damals direkt unter dem Eindruck des Kinobesuchs über "Superman returns". Da ich mir das Teil neulich auf Blue Ray ansah, kann ich meine damaligen Ansichten bestätigen. Den Einstieg bildet ein kleiner Exkurs auf die Zeichetrickserie Justice League Unlimited.
Sinngemäß zitiert sagt Superman: "Bruce, so etwas kann doch bei uns gar nicht passieren. Die Liga der Gerechten würde niemals ihre Macht mißbrauchen und nach der Weltherrschaft streben, selbst wenn ein Schurke wie Luthor US-Präsident wird. Du kennst mich doch!"Bruce Wayne zeigt daraufhin, dass er auch ohne seine Batman-Maske eines enorm finsteren Blickes fähig ist und entgegnet bissig: "Eben! Das ist es ja."
Machtmißbrauch bis hin zur Hybris, Gewalt bis hin zum vergeltenden Mord, all diese Dinge traut Batman seinem Kumpel Superman zu. Und sein "Eben! Das ist es ja." deutet darauf hin,
dass es gerade Supermans Wertesystem, sein Gerechtigkeitsstreben sein können, die in dieses Verderben führen.
Soviel zum o.g. Zitat aus der Zeichentrickserie "Justice League unlimited". Die Welt der Superhelden ist ambivalent geworden, so wie die dazugehörige reale Welt. Schwarz und weiß sind Grautönen gewichen. Der moderne Superman bleibt davon nicht verschont, so ist auch der junge Clark Kent aus der Serie "Smallville" schon unangenehm aufgefallen, als er unter dem Einfluß Roten Kryptonits zum jugendlichen Kriminellen wurde. Das rote Kryptonit brachte seine dunkle Charaktereigenschaft zum Vorschein, aber diese dunkle Seite war und ist ihm immanent.
Von der Konkurrenz (Marvel Comics) ganz zu schweigen: Die Marvel Helden waren schon immer ambivalenter als ihre DC Kollegen. So überlegt Peter Parker in Spiderman II, das Kostüm an den Nagel zu hängen, da er als Studi mit Nebenjobs doch schon genug zu tun hat. In X-Men III bietet ein Heilmittel(!) den Mutanten die Gelegenheit zum Ausstieg.
Genug davon! Nun kommt "Superman returns",ein Film, der, angelehnt an den ersten "Superman. The Movie" von 1978 das Superhelden-Genre wieder an seinen Ursprung zurückführt.
Der neue alte Superman ist ein absoluter Gutmensch (oder Gut-Kryptonier), die Personifikation der Kräfte des Guten. Eine persönliche Regung zeigt er nur ein einziges Mal im ganzen Film,als er die Glasabdeckung des Bildes, das Lois Lane mit ihrem Verlobten(!) und ihrem Sohn(!) zeigt, zerbricht. Ein klitzekleiner Anflug von Wut? Verständlich. Jeder, derauch nur ein Superman-Heftchen gelesen hat, weiß,dass Lois eigentlich an seine Seite gehört. (Was es mit dem Sohn auf sich hat, kann sich zu diesem Zeitpunkt ohnehin jeder denken.)
Aber Superman darf sich keine persönlichen Gefühle (zumindest keine negativen) leisten, er ist der Retter. Und ein Retter wird gebraucht, denn Bösewicht Lex Luthor (finsterer und erfreulicherweise sehr viel weniger albern als Gene Hackman: Kevin Spacey) hat einen geradezu apokalyptischen Plan ersonnen,den er mit Krypton-Technologie verwirklichen will.
Hochgradig allegorisch, trägt der neue Superman geradezu messianische Züge. (Jor-El:"Ich schicke euch meinen einzigen Sohn.") Seine Kräfte sind fast so gewaltig wie einst in den Comics der Siebziger. Seine Ethik ist unantastbar. Und doch bleiben Humor und romantische Momente nicht auf der Strecke. Und Hybris ist für diesen Helden kein Thema: Er ist quasi ein Gott im Sinne der Alten Griechen.
Ein großes Plus des Films gegenüber vorherigen Superman-Produktionen: Fortschrittliche Tricktechnik läßt Schweben und Fliegen nunmehr absolut realistisch aussehen.
Fazit: Der Film kommt dermaßen "altmodisch" daher, dass er schon wieder gut ist. Sehr gut.

Donnerstag, 19. Januar 2012

Ein Klassiker von 2005

Ein alter Forenbeitrag von mir aus dem Jahre 2005. Interessant ist hier der Hinweis auf mein Steckenpferd "Genre-Mix". Bei den abschließend genannten Serien, die ihre eigenen Genres geschaffen haben, möchte ich aus heutiger Sicht unbedingt noch Stargate hinzufügen. Ich schaue derzeit gerade fleißig Stargate: Universe (neben Caprica übrigens).

Veranstaltung über PR im Literarischen Salon Hannover
Kneifel im Salon
geschrieben von: reg. User Joe P.

22. - 24. November 2005

Da ich einen ca. halbjährlich stattfindenden Dienstgang nach Hannover für meine Münsteraner Arbeitgeber auf den gestrigen Tag legte, konnte ich abends auf den Gelände meiner alten Alma Mater der Veranstaltung mit Eckhard Schwettmann und Hanns Kneifel beiwohnen.
Für einen langjährigen PR-Fan kann so eine Veranstaltung naturgemäß nicht wirklich informativ sein, aber es war ein Erlebnis, mal einen der zeitweise wesentlichen PR- (und ATLAN-) "Macher" live zu erleben.
Herrn Schwettmanns Ansichten über PR zeugen von Begeisterung, aber auch von einem deutlich ökonomisch orientierten Blickwinkel, aus dem das Phänomen PR wahrgenommen wird.
Der sehr sympathische Hanns Kneifel glänzte mit Anekdoten. (sinngemäß: "Neunzig Prozent unserer Leser sind Männer. Die paar Frauen, die dabei sind, hat alle der Atlan angelockt.") Auf die Frage nach der Entstehung PR-spezifischer Begriffe: "Da war viel Allohol im Spiel...")
Zu Zeiten seiner Mitarbeit bei PR polarisierte Kneifel wohl sehr stark, da er die Sache eher eigenwillig anging. Er war es, der den Arkoniden zum Genießer machte.
Eine der Anekdoten handelte von einer Romanszene, in der PR und Co. anläßlich einer Siegesfeier Sekt aus Silberpokalen trinken. Anschließend sei es zu diversen Leserbriefen gekommen, in denen postuliert wurde, an Bord von Raumschiffen habe es gefälligst ausschließlich Pappbecher zu geben...
Aus dem Podium wurde z.B. die Frage gestellt, ob PR als Lektüre nicht unter Umständen die gleichen Sehnsüchte befriedigt wie etwa Harry Potter, ob nicht SF und Fantasy demzufolge eng verwandt wären. Kneifel antwortete in folgender Richtung: Eine Mischung beider Genres, wenn man sie denn versuchen würde, würde stete einen Bastard hervorbringen, jedenfalls einen ungenießbaren Brei.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir das Fragesteller-Mikrofon bringen lassen und warf nun ein, dass es diesen Versuch eines Genre-Mix in der Geschichte des PR-Kosmos ja durchaus auch gegeben habe, nämlich im Atlan-Zyklus "Der König von Atlantis". Kneifel nahm's mit Humor: "Ja, auch wir haben unsere Fehler gemacht..."
Kneifel und Schwettmann vertraten die althergebrachte Ansicht, dass PR als wissenschaftlich-extrapolierende SF die Jugend in Scharen zum Studium in diversen Natur- und auch vor allem Ingenieurwissenschaften trieb und noch immer triebe. Das ging so weit, daß E. Schwettmann in seiner Begeisterung sinnierte, die Macht des Phänomens PR in dieser Hinsicht müsse zur Stärkung des Standort Deutschland genutzt werden...
Alles gut und schön.
Aber was das Genre-Problem angeht: PR, Star Trek oder Star Wars haben sich längst eigene Nischen
geschaffen, sind über das Stadium "reiner" SF (was immer das sein mag) lange hinaus. Vielleicht könnte man die These vertreten, daß jedes der drei Franchises bereits ein eigenes Genre bildet. Ansonsten mag der Begriff "Space Opera" hilfreich sein.
Fantasy und Magie: Nehmen wir die Macht von ES in PR und die von Q in Star Trek. Jenseits der Ausflucht "Irgendwo steckt wohl doch Technik dahinter, übergeordnete Wesenheiten, nicht verständlich, usw." sind die Dinge, die diese Entitäten vollbringen, pure "Magie". Insofern sind die Genregrenzen schon sehr lange aufgeweicht worden.

Über Latein

Nachhilfeunterricht ist ungeheuer vielfältig. Das liegt in der Natur der Sache. Er ist individuell, weil er auf einen einzelnen Schüler abstellt. So kommen unterschiedlichste Vorgehensweisen zustande, mit denen -häufig auch auf ausdrücklichen Schülerwunsch- der Stoff vermittelt wird. In der Regel aber wird man ein vom Schüler in der Schule nicht verstandenes Thema erklären und dann mit Hilfe von Übungen zu vertiefen suchen. Das funktioniert in Fächern wie Englisch, Mathematik und Französisch gleichermaßen gut, in der Auswahl der Übungen ist man dabei völlig frei. Im Fach Deutsch läuft es in den unteren Klassen (bis ca. Klasse 7/8) zumindest hinsichtlich Rechtschreibung und Grammatik genauso.
Latein stellt in dieser Hinsicht einen Sonderfall dar. Um dies näher zu erklären, seien zunächst die Besonderheiten dieses Faches genannt:
1. Latein ist unter den Schulfächern jenes, das ausschließlich an Gymnasien stattfindet. Es gibt keine light-Version für Realschulen mit stärkerer Vermittlung von Regeln und weniger analytischem Denken, es geht auf jeden Fall in die Vollen. Dem Schüler muss grundsätzlich eine Bereitschaft zu Abstraktion und analytischem Denken abverlangt werden.
2.  Der Lateinstoff ist seit langer Zeit gleich. Ein unbeschreiblicher Vorteil, mit dem durchaus auch für das Fach geworben wird! Das Latein-Wissen hat keine Halbwertzeit, es veraltet nicht, es ist niemals überholt.
3. Der Stoff bleibt gleich, die Lektüren bleiben gleich. Das liegt in der Natur der Sache. Die Lehrbücher, mit denen in den ersten drei bis vier Jahren der grundsätzliche Stoff vermittelt wird, bleiben NICHT gleich. Das liegt nicht nur daran, dass die Schulbuchverläge gerne Geld verdienen, sondern tatsächlich auch an einer gewissen Orientierung am Geschmack der Schüler, die an farbenfroh illustrierten Texten über das Römische Alltagsleben (zuweilen orientiert man sich soweit es geht an Lehrbüchern neusprachlichen Unterrichts) in der Tat mehr Freude haben als an drögen Schlachtenschilderungen. (Letztere kommen in der Lektürephase früh genug.)
4. Obwohl die Vokabeln ("Grundwortschatz") überall zwangsläufig ungefähr übereinstimmen und neben der nach und nach vermittelten Grammatik die schlussendliche eigenständige Lektüre bzw. Übersetzung der Originaltexte ermöglichen sollen, weisen die Lehrbücher starke Eigenständigkeiten in der Reihenfolge und der Art der Vermittlung auf. Der Lateinschüler ist zudem weit stärker an sein Lehrbuch gebunden als das etwa im Fach Englisch der Fall ist. Während man in Englisch oder Französisch ab einem bestimmten Punkt den Schülern quasi beliebige Texte vorlegen kann (solange die Vokabeln bekannt sind oder entsprechende Vokabelhilfen gegeben werden), geht dies in Latein nicht. Nicht nur sprachlich, sondern auch thematisch begnügt man sich ziemlich eng mit dem, "was im Buch gerade dran ist", Klassenarbeiten liefern Abwandlungen der Lehrbuchtexte. Warum das so ist oder sein muss, steht hier nicht zur Erörterung. Es ist aber Realität.

Aufgrund des unter Punkt 4 geschilderten Sachverhaltes stehen für den Lateinschüler zunächst einmal seine Hausaufgaben im Mittelpunkt. Sein Bestreben wird sein, in der Unterrichtsstunde eine brauchbare Übersetzung vorzuweisen, deren Anfertigung ihm Schwierigkeiten bereitet. Diese Art von Schwierigkeiten wird man in Englisch oder Französisch keinesfalls feststellen. Der Schüler wird seine Englisch-Grammatikaufgaben mit dem gerade "aktuellen" Wissen leicht lösen können, unbeschadet der Tatsache, dass ihm das Wissen von drei oder vier Wochen zuvor längst wieder beinahe entfallen ist. Geübt und vertieft werden muss dieser "ältere" Stoff, im Hinblick auf das erfogreiche Verfassen eigener Texte. In Latein aber braucht der Schüler (fast) alles immer, auch das Wissen von vor vier Wochen und das von vor vier Monaten.
Insofern ist die Erste Hilfe stets eine Hilfestellung bei den Hausaufgaben (wobei der Schüler natürlich so eigenständig wie nur möglich handeln muss), besser noch eine gemeinsame Korrektur der bereits im Vorfeld angefertigten Hausaufgaben. Anschließend wird wiederholt und vertieft, wobei eine starke Anlehnung an das jeweilige Lehrbuch vonnöten ist. Dem Schüler muss auch die Notwendigkeit nachhaltigen Lernens der Grammatik und der Vokabeln vermittelt werden, eine Strategie, die ihm auch in anderen Fächern sehr von Nutzen sein wird.

Wer möchte, kann sich für "der Schüler" "die Schülerin oder der Schüler" denken. Ich fände das auf Dauer etwas umständlich, das ständige "ihm oder ihr" stört den Sprachfluss.